Meh als Rezäpt

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Meh als Rezäpt

Yaws Sommerrollen

Diese Woche hatte ich das Vergnügen, Yaw aus der Gewächshausgruppe kennen zu lernen und seine köstlich, erfrischenden Sommerrollen zu probieren. Bei meinem Hausbesuch erfuhr ich, was ihn mit dem Heimatland seiner Eltern verbindet, welchen Einfluss das Vater werden auf seine Kochpraxis hatte und wie er zu meh als gmües fand.

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Voller Vorfreude und etwas aufgeregt, trat ich die Reise für mein erstes Mitgliederportrait an. Yaw (jaʊ̯ ausgesprochen), den ich bisher nur durch schriftliche Konversationen und aus Erzählungen anderer mag-Mitglieder kannte, hatte mich zum Mittagessen eingeladen.

Im Saatlen-Quartier in einem modernen Mehrfamilienhaus mit Gewerbeflächen im Erdgeschoss empfing mich mein Gastgeber in seiner geräumigen Wohnung. Dort lebt der in Seebach aufgewachsene IT-ler zusammen mit seiner Frau Stephanie und seiner knapp einjährigen Tochter Alice.

Als ich die Wohnung betrat, war es ruhig. Yaw war alleine zuhause. Nur einige im Wohnzimmer herumliegende Spielsachen und diverse aufgestellte Fotografien liessen darauf schliessen, dass er hier eine Familie hauste. Der Tisch war bereits gedeckt und in der offenen Küche lagen viele frische Zutaten bereit. Der Geruch von gewaschener Minze erfüllte den Raum.

Yaw aus der Gewächshausgruppe (Foto: Sarah, 2021)
Yaw aus der Gewächshausgruppe (Foto: Sarah, 2021)
Pescetarische Abwandlung eines Familienrezepts

Nachdem er mich in seinem Heim willkommen geheissen hatte und wir die COVID-Schutzmassnahmen besprochen hatten, wusch ich mir die Hände. Dann legten wir mit der Zubereitung des Mittagessens los. Sommerrollen standen auf dem Menüplan – ein Gericht aus Vietnam, dem Land, aus dem Yaws Eltern stammen.

Für diese Speise werden viele knackige Zutaten vorbereitet und später in eingeweichtes Reispapier gerollt. Anschliessend werden die fertigen Rollen in eine würzige Sauce getunkt und von Hand gegessen. Ich freute mich auf den kühlen Fingerfood, der wunderbar zum heissen Wetter passte.

Seine Mutter bereite die Rollen jeweils mit Schweinefleisch und Crevetten zu, was er sehr möge. Heute würden wir aber eine Variante mit Tofu und Eieromelette kreieren. Für den authentischen Geschmack schlug er vor, die Omelette mit einem Schuss Fischsauce zu würzen. Ich willigte ein und wir legten mit der Zubereitung los.

Erinnerungen an das Herkunftsland seiner Eltern

Yaw erzählte, wie er diese Wraps aus seiner Kindheit kannte und wie er es möge, dass alle am Tisch die Zutaten individuell und ganz nach Belieben zusammenstellen könnten. Vietnamesisches Essen wecke bei ihm stets schöne Erinnerungen und verbinde ihn mit dem Herkunftsland seiner Eltern. In seiner Kindheit habe er dieses etwa alle drei Jahre besucht.

Yaw in Aktion in der Küche (Foto: Sarah, 2021)
Yaw in der Küche in Aktion (Foto: Sarah, 2021)
Arbeitseinsätze, die den Lebensstil mitgeprägt haben

Während ich frische Kräuter genussfertig machte, die Karotten schnippelte und alles auf einem Teller anrichtete, übergoss Yaw feine Vermicelli Reisnudeln mit kochendem Wasser. Ich erfuhr, dass Yaw aus Gründen der Nachhaltigkeit begonnen hatte, vermehrt fleischlos zu kochen und dass er sich für Kreislaufwirtschaft interessierte. Begeistert berichtete mir Yaw von seiner Erfahrung mit dem Reparaturservice reparabel.ch.

Nachhaltigkeit liege ihm am Herzen und die Arbeitseinsätze bei meh als gmües lieferten ihm dazu gute Ideen. Nachdem er zwei, drei Mal mit dem Lastenvelo das Gemüse aus der Gärtnerei ins Depot auf dem Hunzikerareal gefahren sei, hätte er sich privat in einem Brockenhaus einen uralten Radanhänger erstanden und diesen instandgesetzt. Dieser habe ihm seither schon einige Male einen guten Dienst erwiesen – sei es beim wöchentlichen Einkauf zu Coronazeiten oder beim Transport eines Wickeltisches.

Yaw mit seinem restaurierten Veoanhänger (Foto: zVg von Yaw)
Yaw mit seinem restaurierten Veloanhänger (Foto: zVg von Yaw)
Es beim Kochen einfach halten

Yaw briet den in Streifen geschnittenen Tofu an und würzte ihn mit Zitronengras, Pfeffer, Sojasauce und Knoblauch. Ein wohlriechender, vertrauter Duft stieg mir in meine Nase und weckte mein Asienfernweh.

Mein Gastgeber offenbarte mir, dass er es beim Kochen gerne einfach halte. Deswegen ersetze er die gehackten Erdnüsse in der Sauce jeweils durch einige Löffel Erdnussbutter. Früher habe er sehr gerne gekocht. Mit der Geburt seiner Tochter hätte der Akt der Essenszubereitung aber etwas an Erholungscharakter verloren. Heute sei ihm v. a. wichtig, dass er mit wenigen Handgriffen zur erforderten Zeit etwas Schmackhaftes für seine Familie auf den Tisch zaubern könne. Zu den Gerichten, die bei ihm und seiner Frau regelmässig auf den Tisch kämen, gehörten Risotto (z. B. mit Spinat oder Pilzen) und Linsen-Dal.

Durch Zivildiensteinsatz der Landwirtschaft nähergekommen

Yaw begann Ei mit etwas Fischsauce, Pfeffer und gehacktem Schnittlauch zu verquirlen und bereitete damit in einer beschichteten Pfanne eine Eieromelette her. Ich wollte wissen, wie er zu meh als gmües gefunden hat. Ein Flyer im Briefkasten hätte ihn vor zwei Jahren auf die Genossenschaft aufmerksam gemacht. Da er zuvor auf einem Bio-Bauernhof Zivildienst geleistet hätte, sei ihm das Flugblatt sofort ins Auge gestochen.

Yaw sei von Anfang an beeindruckt gewesen ab dem grossen Engagement so vieler motivierter Menschen und davon, dass so viele tolle Projektideen tatsächlich umgesetzt würden – z. B., dass wöchentlich Gemüse ins Depot auf dem Hunzikerareal gefahren und ein Newsletter verfasst würde oder dass Gemüse eingemacht und Kräuterteemischungen produziert würden. Super fände er auch, dass er durch seine Mitarbeit einen Einblick bekomme in die Produktion dessen, was auf seinem Teller lande.

Ein guter Ausgleich zum Bürojob

Yaw schnitt die fertige Omelette in Streifen und wir begannen die Sauce zu mischen. Er fuhr fort: „Die Mitarbeit bei meh als gmües gefällt mir sehr und ist ein guter Ausgleich zu meinem Bürojob. Nach jedem Einsatz gehe ich mit einem zufriedenen Gefühl nach Hause“. Pro Saison sei er etwa zehn Mal für meh als gmües im Einsatz. Manchmal in der Arbeitsgruppe IT, aber vorwiegend in der Gewächshausgruppe, die sich den Sommer über um unsere Tomaten, Gurken und Auberginen kümmert.

Heuer arbeite er bereits die dritte Saison im Gewächshaus mit. Er schätze es, dass er bei seinen Einsätzen viel über die Pflege von Tomaten lernen könne. Ausserdem habe er durch seine Einsätze viele für ihn neue Gemüsesorten kennen gelernt – z.B. die roten „Rosso di Napoli“-Auberginen, die nach Auberginen schmecken, aber aussehen wie Tomaten. Inspiriert durch Gespräche mit anderen meh als gmües-Mitgliedern habe er irgendwann begonnen, auf seinem Balkon selbst Tomaten und Kräuter grosszuziehen und diese zu bewässern.

Freude auf Zuwachs

Als alle Zutaten sowie zwei Schüsseln mit lauwarmem Wasser auf dem Esstisch platziert waren, begannen wir unsere wohl verdienten Rollen zu formen. Wir zogen unsere Reisblätter durchs warme Wasser, platzierten sie auf unseren Tellern und begannen die Zutaten darin zu arrangieren. Beim Wickeln liess ich mich von Yaw instruieren. Anschliessend schoss ich noch einige Fotos und wir genossen den lange ersehnten Lunch. Später stiess seine Frau Stephanie noch dazu und leistete uns kurz Gesellschaft. Ich erfuhr, dass die beiden im November ein zweites Kind erwarteten und freue mich jetzt schon auf das neue meh als gmües-Mitglied.

Fertige Sommerrolle mit Sauce (Foto: Sarah, 2021)

Yaws Sommerrollen

Yaw
Gericht Hauptgericht, Kleinigkeit, Vorspeise
Land & Region Vietnam
Portionen 4 Personen

Zutaten
  

  • Blätter von einem halben Eisbergsalat
  • 1 Bund Schnittlauch
  • 1 Bund Pfefferminze
  • 1 Bund Koriander
  • 1 Bund Thai-Basilikum
  • 300g Karotten, längs in feine Streifen geschnitten (oder Salatgurken)
  • Mungosprossen
  • 400 g feine Vermicelli Reisnudeln
  • 400 g Tofu nature, in Streifen geschnitten
  • Zitronengras, gehackt
  • Pfeffer
  • Knoblauch, gehackt
  • Ggf. Zucker oder Honig
  • 4 Eier
  • Fischsauce
  • 12 Stück rundes Reispapier
  • 9 EL Sojasauce
  • 1-2 EL Zitronensaft (oder Limettensaft)
  • 4 TL Erdnussbutter
  • Chili, in feine Ringe oder Flocken geschnitten

Anleitungen
 

  • Sprossen, Salat und Kräuter waschen, trocken tupfen und ggf. zerpflücken, Karotten längs in feine Streifen schneiden
  • Reisnudeln mit siedendem Wasserübergiessen, 5 Minuten ziehen lassen, danach kalt abschrecken und in einem Sieb bei Seite stellen
  • Tofustreifen in beschichteter Pfanne auf allen Seiten anbraten, Zitronengras, Pfeffer und Knoblauch und 1 EL Sojasauce zugeben. Ggf. mit Zucker oder Honig süssen
  • Für Omelette die Eier mit etwas Fischsauce, Pfeffer und gehackten Schnittlauch verquirlen und in eine heisse, eingeölte Pfanne giessen. Auf mittlerer Stufe beidseitig anbraten, abkühlen lassen und in Streifen schneiden
  • 8 EL Sojasauce, Zitronensaft, Erdnussbutter, Fischsauce und Chiliflocken verrühren
  • Für jede Rolle ein Reispapierblatt durch eine Schüssel mit lauwarmem Wasser ziehen und anschliessend auf einen Teller legen;  während das Reispapierblatt einweicht, nach Belieben mit den vorbereiteten Zutaten belegen; das Reispapierblatt von unten einklappen, die beiden Seiten nach innen falten, dann satt aufrollen.  Sauce dazu servieren.

Notizen

Sobald die ersten Gurken reif sind, kann man die Wraps auch damit machen. Das schmeckt sogar noch erfrischender!

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